Entscheidungsfindung im Team – Besser & schneller durch Scrum

Schlechte Entscheidungen können ein Unternehmen ruinieren und Karrieren zerstören.

Wurde Ihnen mitgeteilt, dass Sie Ihre Entscheidungsfindung verbessern sollten? Wenn das so ist, sind Sie damit nicht alleine. Manager bekommen in einem 360°-Feedback oft schlechte Bewertungen für die Qualität und das Timing ihrer Entscheidungen.

Die Entscheidungsfindung kann, wie alle anderen Management- oder Führungsqualitäten, verbessert werden. Das Problem zu erkennen, ist der erste Schritt zur Verbesserung. Die einzige Möglichkeit, diese verborgenen Problemzonen aufzudecken, ist Feedback.

In „Wie man ehrliches Feedback bekommt” finden Sie zehn Möglichkeiten, wie man ehrliches Feedback erhält. In Scrum ist Feedback ohnehin ein sehr wichtiges Element. Darüber hinaus können Sie sich auch mit einigen Ihrer direkten Untergebenen, Ihrem Scrum Team, Ihren Kollegen und Ihrem Chef treffen und ihnen die folgenden Fragen stellen:

1) Sind wir uns als Organisation bzw. als Team im Klaren darüber, wer verantwortlich ist, die wichtigsten Entscheidungen zu treffen?
2) Gibt es Hindernisse? Wenn ja, warum?
3) Bekomme ich die richtige Menge an Input, bevor ich eine Entscheidung treffe? Zu viel? Zu wenig?
4) Hole ich die richtige Menge und auch die richtige Qualität an Informationen ein? Zu viel? Zu wenig?
5) Auf einer Skala von eins bis zehn, wie würden Sie die Qualität und das Timing meiner Entscheidungen bewerten? Was kann ich verbessern, um mich von __ auf zehn zu steigern?
6) Wie sieht es mit einigen der letzten Entscheidungen aus – waren es gute Entscheidungen? Wurden sie gut umgesetzt?

Frischen Sie zuerst Ihre Zuhörer-Qualitäten auf!

Sobald Sie eine Grundlage haben, ist es an der Zeit, von Experten etwas über die Entscheidungsfindung zu lernen. Wen kennen Sie, der immer die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit zu treffen scheint? Unterhalten Sie sich mit diesen Leuten und finden Sie heraus, an welche Abläufe und Faustregeln sie sich halten.

Mit anderen zu sprechen, hilft nicht immer, denn viele Leute, die wirklich gut in etwas sind, sind „unbewusst kompetent” und können es anderen einfach nicht vermitteln.

Außerdem sind hier einige Tipps, die ich in Scrum aber auch sonst sehr hilfreich finde und an Führungskräfte weitergebe, um ihnen dabei zu helfen, ihre Entscheidungsfindung zu verbessern:

1) Seien Sie sich im Klaren darüber, über was Sie entscheiden

Ein „Decision Statement” ist ein präzises und eindeutiges Statement zu der vorliegenden Entscheidung. Der häufigste Fehler ist, dass man seine Entscheidungen zu sehr einschränkt – oft als „entweder … oder” Frage. Beispielsweise lässt die Frage „Sollte ich ein neues Auto kaufen?” nur zwei Antworten zu – ja und nein. Ausweiten lässt sich das, indem man fragt, „Welche Art Fahrzeug sollte ich kaufen?”. Oder man geht noch weiter und fragt, „Was ist das beste Verkehrsmittel?”.

Beginnen Sie immer mit einem solchen Statement und sprechen Sie mit ein paar anderen Leuten darüber, bevor Sie die verschiedenen Möglichkeiten auswerten. So finden Sie heraus, ob Sie auch die richtige Frage stellen.

2) Entscheidungskriterien

Wenn Sie die richtigen Kriterien haben, ist es einfacher, die Alternativen zu bewerten. Die Kriterien für den Kauf des Autos wären z. B. Kosten, Modell, Verbrauch und Sicherheit. Das ist eine gute Gelegenheit, die Stakeholder nach weiteren Kriterien zu fragen, besonders wenn sich die Entscheidung auch auf andere Personen auswirken wird oder wenn man für die Umsetzung die Unterstützung anderer Leute benötigt.

3) Klare Zuständigkeiten für die Entscheidungsfindung

Die Frage, wer die endgültige Entscheidungsautorität hat und wer lediglich dafür zuständig ist, Input für die Entscheidung zu liefern, ist wahrscheinlich das größte Problem bei der Entscheidungsfindung in Organisationen. Bei komplexen und großen Entscheidungen, die mehrere Funktionen, Regionen oder Partner umfassen, sollten Sie das RAPID-Modell (von Bain & Company) nutzen. Legen Sie also folgende Zuständigkeiten fest:

  • R = Recommend: Person, die für die Empfehlungen zuständig ist, um Zustimmung für die Entscheidung zu bekommen.
  • A = Agree: Jeder, der der Entscheidung zustimmen muss. Ähnelt dem Punkt „I”, hat jedoch mehr Macht und Einfluss.
  • P = Perform: Die Person, die die Entscheidung tatsächlich ausführen muss. (Diese Person wird oft nicht berücksichtigt, darf sich dann aber mit dem Resultat herumschlagen.)
  • I = Input: Jeder, der Input für die Entscheidung liefern sollte.
  • D = Decide: Die Person mit der Autorität, die endgültige Entscheidung zu treffen. Es sollte immer nur eine solche Person geben – nicht mehr und nicht weniger.

4) Machen Sie Ihren Kopf frei

Die meisten Leute glauben, sie seien gut im Multitasking. Dabei läuft man jedoch Gefahr, schlechte Entscheidungen zu treffen. Wichtige Entscheidungen erfordern Konzentration und Klarheit. „Achtsamkeit” ist das neue Schlagwort und es gibt fundierte Forschungsergebnisse, die zeigen, wie wichtig es ist, präsent und fokussiert zu sein, wenn man Entscheidungen trifft.

5) Die Entscheidung mit Ihrem „Anti-You” überprüfen

Das ist ein Vorschlag des Organisationspsychologen Nick Tasler. Tasler zufolge „kann der Großteil aller falschen Entscheidungen ausgemerzt werden, indem man einfach nur seinen Bezugsrahmen erweitert. Am schnellsten, einfachsten und effektivsten ist es, ein „Anti-You” (das Gegenteil von einem selbst) zu Rate zu ziehen, bevor man eine Entscheidung trifft. „Anti-Yous” werden auch „People Not Like Us” genannt, also „Leute, die anders sind als wir”. Unterschiedliche Perspektiven zu erhalten, führt nämlich normalerweise zu innovativeren Lösungen.
Probieren Sie diese und andere Methoden aus und mit mehr Übung und Feedback sollten sich die Qualität und das Timing Ihrer Entscheidungen allmählich verbessern – und das über die Grenzen von Agile und Scrum hinaus! 

Dieser Text stammt aus dem Blog von The Balance und wurde von uns ins Deutsche übersetzt.

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