Troubleshooting für eure Vereinbarungen
- Einleitung
- Was macht ein Working Agreement wirksam
- Das Working Agreement Canvas
- Wie man Working Agreements moderiert
- Wie Vereinbarungen haften bleiben
- Wem gehören Working Agreements
- Spezifische Situationen meistern
- Troubleshooting für eure Vereinbarungen
- Zusammenfassung & Ressourcen
- Der One-Pager für Moderatoren
Selbst die besten Vereinbarungen können abdriften. Nutze diese Matrix, um spezifische Fehlermodi zu diagnostizieren und zu beheben, ohne den ganzen Prozess neu zu starten.
"Die Leute verdrehen die Augen während des Reviews."
Die Diagnose: Irrelevanz. Die Vereinbarungen sind zu vage ("Respektvoll sein") oder zu wunschdenkerisch, sodass das Team sie als Corporate-Blabla sieht.
Die Lösung: Führe eine "Kill-Session" durch. Fragt bei eurem nächsten Review: "Welche Vereinbarung haben wir in 30 Tagen nicht verletzt?" Wenn ihr sie nie verletzt, ist es wahrscheinlich eine Plattitüde. Entfernt sie.
"Der Manager verletzt ständig die Vereinbarungen."
Die Diagnose: Macht-Versagen. Das Team hat gelernt, dass Vereinbarungen nur für die ohne Macht gelten.
Die Lösung: Die "Ausnahme"-Frage. Der Moderator muss den Manager privat fragen: "Willst du diesen folgen, oder willst du ausgenommen sein? Beides geht nicht." Wenn er sich für die Ausnahme entscheidet, kommuniziert das explizit.
"Wir haben 15 Vereinbarungen und befolgen keine."
Die Diagnose: Kognitive Überlastung. Niemand kann sich 15 Verhaltensänderungen merken. Wenn alles eine Regel ist, ist nichts eine.
Die Lösung: Der "Top 3"-Reset. Wischt das Board leer. Fragt das Team: "Wenn wir nur drei dieser Verhaltensweisen durchsetzen könnten, um unseren Verstand zu retten, welche wären es?" Löscht den Rest.
"Neue Mitarbeiter ignorieren die Regeln."
Die Diagnose: Onboarding-Lücke. Ihr erwartet, dass Osmose Kultur vermittelt. Tut sie nicht.
Die Lösung: Der Handschlag. Implementiert den "Neue-Mitarbeiter-Handschlag"-Mechanismus sofort. Geht die Liste am ersten Tag mit ihnen durch und bittet um ihre explizite Ratifizierung.
"Wir streiten darüber, ob eine Vereinbarung verletzt wurde."
Die Diagnose: Subjektivität. Die Vereinbarung basiert auf Adjektiven ("Pünktlich", "Respektvoll") statt auf Beobachtbarem.
Die Lösung: Der "Videokamera"-Test. Schreibt die Vereinbarung so um, dass eine Kamera sie verifizieren könnte. Ändert "Sei pünktlich" zu "Logge dich 2 Minuten vor Startzeit ein."
"Niemand spricht Verstöße an."
Die Diagnose: Angst vor Konflikt. Durchsetzung erfordert Mut, den das Team nicht hat.
Die Lösung: Senkt die Hürde. Fangt mit Verstößen an, über die ihr lachen könnt. Erstellt ein albernes Ritual (z.B. der Verstoßende wirft einen Euro ins Glas, wählt das nächste Retro-Thema). Sobald kleine Verstöße normalisiert sind, werden größere ansprechbar.
"Die Vereinbarungen passen nicht dazu, wie wir tatsächlich arbeiten."
Die Diagnose: Wunschdenken statt Realität. Das Team hat Vereinbarungen erstellt, die sie gerne befolgen würden, nicht die, die sie tatsächlich befolgen werden.
Die Lösung: Erst beobachten, dann vereinbaren. Lasst jemanden eine Woche lang das tatsächliche Verhalten tracken, bevor ihr Vereinbarungen erstellt. Basiert Vereinbarungen auf "was wir realistisch tun können", nicht auf "was wir glauben, tun zu sollen".