Was ist Scrum?

Scrum ist eine agile Methode um ein Projekt zu managen und durchzuführen. Genauer gesagt ist Scrum ein Framework – also Grundgerüst – zum Managen eines Prozesses. Primär wurde Scrum in der Entwicklung von Software eingesetzt. Darüber hinaus kann und wird Scrum mittlerweile aber in den unterschiedlichsten Bereichen zum Projektmanagement genutzt – überall dort wo im Team an einem Produkt bzw. einer Dienstleistung gearbeitet wird. Ob im E-Commerce, der IT-Branche oder der agilen Hardwareentwicklung, findet agiles Projektmanagement nach Scrum mittlerweile Anwendung.

Statt, wie bisher in der klassischen Projekt- oder Produktplanung üblich, bis ins letzte Detail Vorgaben zu tätigen, überträgt man in Scrum viele Entscheidungen und damit einhergehend auch Verantwortung an das Team und die beteiligten Rollen. Diesem Vorgehen liegt zugrunde, dass man:

  1. sich darüber bewusst ist, viel Unbekanntes vor sich zu haben und nicht jedes Problem vorhersagen zu können und

  2. dem agilen Team eher zutraut aufkommende Probleme zu lösen. Aus dem selben Grund verpflichtet sich das Scrum Team im Sprint Planning Meeting zu einem Resultat für den Kunden und nicht zur Abarbeitung einer Liste von Aufgaben oder Anforderungen.

Das Scrum Team

Scrum basiert auf selbstorganisierten und funktionsübergreifenden Teams. Selbstorgansiert bedeutet, dass es keinen Teamleiter gibt, der entscheidet welche Person an welcher Aufgabe zu arbeiten hat. Diese Entscheidungen trifft das Scrum Team gemeinsam. Funktionsübergreifend bedeutet wiederum, dass alle Fähigkeiten im Team vorhanden sind, um das vereinbarte Resultat am Ende eines Sprints zu liefern und, dass jedes Teammitglied dafür benötigt wird.

Das Scrum Team wird neben den Entwicklern bzw. ausführenden Rollen durch zwei weitere Mitglieder vervollständigt. Der Scrum Master dient dem Team als Prozess-Coach und unterstützt jedes Teammitglied dabei Scrum besser zu verstehen und sich mittels der Prozesse in Scrum kontinuierlich zu verbessern. Der Product Owner stellt den verlängerten Arm des Kunden bzw. der Nutzer dar und ist primär für das Produkt verantwortlich.

Das Scrum Framework

Die Scrum Events

Zur optimalen Koordination des Scrum Teams gibt es eine Reihe von Scrum Meetings mit klar definierter Zielsetzung vor. Den Anfang eines jeden Sprints – einer Etappe in der ein Inkrement des finalen Produktes fertig gestellt wird – stellt das Sprint Planning dar. Ziel des Sprint Planning Meetings ist es aus dem Product-Backlog gemeinsam einen Sprint Backlog abzuleiten indem einzelne Backlog Items gewählt werden, die der Definition of Ready entsprechen. Ziel des Planning ist es, dass das Team den gesamten Sprint über die vom Product Owner priorisierten Anforderungen bearbeiten kann und keine weitere Anforderung hinzu kommt.
Die Arbeit innerhalb eines Sprints gilt als gesichert, weshalb in dieser kurzen Zeitperiode keine weiteren Aufgaben von Außen an das Team gestellt werden dürfen. Hiermit wird durch die Scrum Methode abgesichert, dass das Team die priorisierten Aufgaben erledigt und nicht auf kurzfristige Störungen reagiert. Ausgenommen sind kritische Situationen innerhalb vom Unternehmen, wie beispielsweise ein Systemausfall in der IT oder eine Sperrung der Marketing-Konten bei GoogleAds, die eine Weiterarbeit des Scrum Teams sowieso behindern.

Während des Sprints treffen sich die Team-Mitglieder täglich zum Daily Scrum bzw. Daily Standup. Dieses Ritual ist zeitlich auf 15 Minuten beschränkt. Themen, die innerhalb dieser Zeit nicht besprochen werden können, werden in gesonderten Meetings besprochen. Das Daily Standup Meeting dient zur synchronisation des Teams und der Arbeit. Zumeist wird es direkt vor dem Scrum Board des Teams abgehalten, damit jede User Story des Sprints einsehbar ist, was quasi der to-do-Liste des Sprints entspricht.

Am Ende jedes Sprints gibt es zwei weitere Meetings. Im Sprint Review Meeting wird die geleistete Arbeit bzw. deren Resultat dem Product Owner, den Stakeholdern und evtl. sogar Kunden demonstriert und Feedback eingeholt. Dieses Feedback bildet die Grundlage für das Backlog des Sprint Planning Meeting des nächsten Sprints.

In der Sprint Retrospektive wird die Art und Weise wie das Team gearbeitet hat unter die Lupe genommen. Ziel ist es Schwachpunkte zu entdecken und Gegenmaßnahmen einzuleiten, um so eine kontinuierliche Verbesserung der Arbeitsprozesse zu erzielen.

Wann wird Scrum angewendet?

Scrum ist eine agile Methode, die ähnlich wie Kanban oder das viel erwähnte so genannte "Spotify Modell" dazu dient die Entwicklung von Features zu vereinfachen und die Möglichkeit gibt auf sich schnell ändernde Voraussetzungen zu reagieren. Im Gegensatz zu zum Beispiel Kanban benötigt Scrum die bereits oben angesprochenen Rollen und vor allem die Rollenteilung um funktionieren zu können.

Im Scrum Guide wird das Prinzip hinter den Rollen sowie die Methode einfach und verständlich erklärt. Agiles Projektmanagement basiert vor allem auf der oben angesprochenen Selbstorganisation und der Einhaltung vom Scrum Prozess.

Agile ist zudem ein Oberbegriff, der die generelle Arbeitsweise in Unternehmen neu strukturiert und vor die Herangehensweise an Herausforderungen ändert. Anstatt von Anfang an alles verstehen und in der Entwicklung berücksichtigen zu wollen, wir bei Agile offen anerkannt, dass man nicht alles weiß und dass das Wissen erst im Laufe der Entwicklung gewonnen wird.

Hierdurch können die Developer schnell auf sich verändernde Anforderungen reagieren und neue Product Backlog Items anlegen, sofern diese benötigt werden. Anhand der WIP-Limits (Work-in-Progress) wird zudem sichergestellt, dass die Arbeit konzentriert und fokussiert stattfindet und nicht ständig neue Aufgaben an die Entwickler gestellt werden ohne jemals priorisiert worden zu sein.

Wie hilft Scrum bei der Entwicklung von Produkten?

Das Product Backlog und jedes einzelne Produkt Inkrement, also jeder Produkt Backlog Eintrag hilft dabei dem anvisierten Ziel näher zu kommen. Ein visuelles Burn-Down Chart hilft dem Entwicklungsteam schließlich bei der Visualisierung der getätigten Aufgaben.

Vorteil dieser hohen Transparenz ist, dass schnell erkannt wird, wenn und vor allem wann mögliche Hürden auftreten können. Stockt es im Prozess, kann der Scrum Master fürhzeitig eingreifen und dem Entwicklerteam helfen und sieht der Product Owner eine Herausforderung bei der Produktentwicklung, kann dies bereits im nächsten Sprint angegangen werden.

Wichtige Stellschrauben beim Scrum Projektmanagement sind neben der Defnition of Ready, die erst ermöglicht ob eine User Story in den Sprint kommt noch die Definition of Done des Teams bzw. die Akzeptanzkriterien vom Product Owner, die beschließen wann eine User Story an den Kunden oder Anwender ausgeliefert werden kann. Zudem stehen die Funktionalitäten der entwickelten Features im Vordergrund.

Agiles Arbeiten bezieht sich daher vor allem auf den Kundennutzen und die Vorteile, die mit jedem Sprint-Ziel ausgeliefert werden.

Wie lernt man Scrum?

Neben den einfachen Scrum-Prinzipien und Scrum-Artefakten, über die du in diesem Beitrag bereits gelesen hast, kannst du das Framework genauso lernen wie andere Projektmanagement-Methoden. Das Know-How kannst du dir in Trainings aneignen, welche auf dem von Jeff Sutherland und Ken Schwaber basierenden Scrum Guide basieren.

Weltweit gibt es zwei angesehene Zertifizierungsunternehmen: die Scrum Alliance und Scrum.org. Während alle Zertifizierungen durch die Scrum Alliance mit einem "Certified" beginnen, ist es bei Scrum.org das "Professional". Anhand dieser Namensgebung ist es möglich zu erkennen wo das Training durchgeführt wurde. Diese Unterscheidung ist dahingehend sinnvoll, als dass die Lernmethoden und die Zertifizierungen komplett unterschiedlich sind.
Während sich Scrum.org auf einen Multiple-Choice Test konzentriert und kein persönliches Training notwendig ist, steht bei der Scrum Alliance das persönliche Training im Vordergrund.
Eine Zertifizierung erhalten hier nur die Teilnehmer, die sich mindestens 14 Stunden mit dem Scrum Framework auseinandergesetzt haben und praktisch erarbeitet haben, was es bedeutet den Scrum-Prozess und einzelne Scrum-Eriegnisse zu durchlaufen. Angefangen bei den Scrum-Rollen, der Sprint-Planung, den Stand-Ups, Task-Boards und den Ritualen, Artefakten sowie Prozessen, steht hier auch das Kennenlernen anderer Agile Frameworks im Vordergrund. Scrum-of-Scrums, Kanban, Design Thinking und Large-Scale Scrum werden erklärt und stellenweise auch praktisch angewendet.
Bei der Agile Academy findest du alle Trainings Zertifizierungen der Scrum Alliance auf englisch und deutsch.

Autor

Helen Schrader

Scrum Academy GmbH

Helen ist zertifizierter CSPO und CAL. Bei der Scrum Academy ist sie für das Performance Marketing sowie als Product Owner für die Agile Insights zuständig.

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